Archiv für die Kategorie ‘Mail’

Der zweite Versuch

Samstag, 24. Juli 2010

Die Deutsche Post wird derzeit heftig für ihren E-Mail-Dienst epost.de. Über die Post versandte Mails sollen laut Werbung “verbindlich, vertraulich, verlässlich” sein. Mit ähnlichen Argumenten versuchte die Post vor zehn Jahren schon einmal einen E-Mail-Dienst namens epost zu etablieren. Damals versprach die Werbung eine “E-Mail-Adresse für das ganze Leben”.

Dummerweise genügte den meisten Kunden, wie auch mir, damals die Freemail-Variante von epost.de. Die Bezahlvarianten mit mehr Speicherplatz verkauften sich offenbar nicht so gut wie die Post erwartet. “Lebenslang” war nach gut vier Jahren schon vorbei. Als lebensverlängernde Maßnahme verschob die Post die Freemail-Accounts an lycos.de, ein Dienst der 2005 auch schon seinem Ende entgegendämmerte. Seitdem habe ich eine Ahnung davon was die Deutsche Post unter Verlässichkeit versteht.

Zu wenig zahlende Kunden, dieses Risiko will die Post beim zweiten epost-Versuch offenbar vermeiden. Deshalb soll jede versendete Mail 55 Eurocent kosten. So wie bei einem richtigen Brief: der kostet auch 55 Cent und der Absender zahlt. Für 55 Cent druckt die Post auf Wunsch übrigens die E-Mail auch aus und der Briefträger stellt sie zu. Sicher eine clevere Idee auf die die Welt gewartet hat.

Ich will nicht ausfällig werden. Aber bei 55 Cent pro E-Mail frage ich mich schon was die bei der Post rauchen? Bei mir bekommt epost auf jeden Fall keinen zweiten Versuch.

Vorsicht Kundenkontakt

Donnerstag, 20. Mai 2010

In einem schwachen Moment des Mitleids mit den Opfern der Kostenloskultur im Internet habe ich meinen Freemail-Account beim deutschen Marktführer GMX aufgebohrt, und einen Topmail-Account daraus gemacht. Darüber ärgere ich mich gerade mehrmals täglich. Denn nach jedem checken meiner Mails werde ich gerade mit einem Werbespot verabschiedet. Derzeit stammt der meist von IKEA, beschäftigt sich mit der Liebe der Deutschen zum Abschied nehmen, und ist wahnsinnig laut.

Eigentlich war ich der Ansicht ich hätte mir mit meinen 4,99 Euro monatlich neben mehr Speicherplatz und Adressen auch Werbefreiheit erkauft. Offensichtlich bezieht sich diese Werbefreiheit aber nicht auf die Postroll-Videoclips nach dem Logout.

Und was mich am meisten ärgert: GMX bietet auch zahlenden Kunden keine angemessene Möglichkeit der Beschwerde an. Unter Kundenservice finde ich nur kostenpflichtige Telefonnummern aber keine einzige Mailadresse. Das halte ich bei einem Anbieter von E-Mail-Dienstleistungen schon für bemerkenswert. Wie war das in dem IKEA-Spot mit der Liebe zum Abschied nehmen…

Google Wave - endlich dabei!

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Vor etwa einem halben Jahr habe ich fasziniert ein Video von der Google-Technologiekonferenz IO angeschaut, in dem ein neues Produkt namens Wave in einer Beta-Version vorgestellt wurde. Wave ist, vereinfacht gesagt, der Versuch die Kommunikation im Web neu zu erfinden. Eine Mischung aus Mail, Instant Messenger und Groupware. Das ganze Open Source und mit Schnittstellen, die es erlauben Anwendungen in die eierlegende Wollmilchsau zu integrieren.

Über Google Wave ist seitdem viel geschrieben worden, das Für und Wider, die Erfolgsaussichten und Risiken für den Datenschutz. Deshalb freue ich mich über eine Einladung, Google Wave jetzt selbst testen zu dürfen. Google erweitert gerade den Benutzerkreis für den Test der Betaversion kräftig. Denn einer der wichtigsten Kritikpunkte der handverlesenen ersten Testergeneration war, dass es zuwendig andere User gebe, mit denen man über Wave kommunizieren könne.

Unabhängig davon, ob diese neueste Entwicklung aus dem Hause Google am Ende ein Erfolg sein wird, zeigt Wave schon jetzt Potential als Plattform für künstlerische Darstellungen. Den Jahresrückblick 2009 in Form einer Wave finde ich auf jeden Fall ziemlich unterhaltsam und gelungen:

Spam von Guido

Sonntag, 27. September 2009

Jung- und Erstwähler erhalten in den Wochen vor einer Bundestagswahl regelmäßig Post von Parteien. Das mag man für fragwürdig halten, es ist aber legal, denn die Kommunen müssen Namen und Adressen von jungen Wahlberechtigten an Parteien herausgeben, wenn die sie haben wollen.

Guido Westerwelle und seine FDP beschränkten sich in den Tagen vor der heutigen Bundestagswahl bei der Ansprache von Jungwählern nicht auf den klassischen Brief. Die Liberalen kontaktierten die junge Zielgruppe auch über unverlangt versandte E-Mails, gemeinhin auch Spam genannt.

Versandt wurden die Mails von Guido Westerwelle unter der Adresse “fdp@news-lifestyle.de” vom Dienstleister Schober Information Group aus dem schwäbischen Ditzingen. Schober ist einer der großen Player im Direktmarketing, wie der Adressenhandel gern umschrieben wird.  Eine seriöse Firma natürlich, deshalb wird beim Mailing für Guido anders als beim gemeinem Spammer die Herkunft der verwendeten Adresse gleich genannt.

In einem mir bekannten Fall aus meinem Haushalt war die Adresse bei einer Verbraucherbefragung unter dem Deckmantel der Marktforschung generiert worden. Wenn man lange genug sucht findet man auf der Website tatsächlich den Hinweis, dass die für die Teilnahme an einer Gewinnverlosung eingegebenen Daten zu Werbezwecken weitergegeben werden dürfen.

In der Mail von Guido Westerwelle stand übrigens, die FDP wolle den Respekt für die Bürgerrechte wieder stärken. Eines der Bürgerrechte ist auch das auf informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz. Da lernt der Jungwähler am praktischen Beispiel gleich den Unterschied zwischen Worten und Taten.

Post erfindet E-Mail neu

Freitag, 31. Juli 2009

Die Deutsche Post hat ein neues Produkt angekündigt. Der “Brief im Internet” soll die Rückgänge im klassischen Briefgeschäft ausgleichen. Wenige Tage vor dem 25. Geburtstag der E-Mail möchte man sagen: “Herzlichen Glückwunsch, Ihr habt die Zeichen der Zeit erkannt.” Brief im Internet ist sicher die Anwendung, auf die alle gewartet haben.

Hoffentlich hat die Deutsche Post bei diesem Versuch einen längeren Atem als bei ihrem ersten Ausflug ins E-Mail-Geschäft. Mit dem schönen Claim “Sichern Sie sich Ihre Mailadresse für’s Leben” hatte die Post um im Jahr 2000 für ihr Vorhaben epost.de geworben. Das Angebot umfasste einen Freemail-Account mit Weboberfläche sowie etwas Speicherplatz und die Möglichkeit kostenpflichtig Zusatzfeatures zu buchen.

Die Mailadresse für’s Leben hielt dann allerdings nicht sehr lang. Im Frühjahr 2005 stelle epost.de seinen Freemaildienst ein und transferierte die verbliebenen Kunden zu lycos.de, einem Mailangebot, das es inzwischen auch schon nicht mehr gibt.

Alles was jetzt “Brief im Internet” leisten soll, zum Beispiel den rechtssicheren Austausch von Dokumenten, hätte auch epost schon anbieten können. Dann würde die Deutsche Post in Sachen E-Mail jetzt nicht hinterherkommen wie die alt’ Fasnet.