Archiv für die Kategorie ‘E-Commerce’

Verhöhnt bei Facebook

Montag, 17. August 2009

Opfer von Einbruchdiebstählen beklagen immer wieder, dass sie die Verletzung ihrer Privatsphäre wesentlich schlimmer empfinden, als den materiellen Verlust. Durch den Einbruch wird das Grundvertrauen erschüttert, in den eigenen vier Wänden sicher zu sein.

In der digitalen Welt können weitere Strafverschärfungen dazu kommen. Die britische Zeitung Telegraph berichtet von dem Fall einer 42 Jahre alten Frau aus East Sussex. Der wurden von einem Einbrecher neben Geld und Kreditkarten auch ein Iphone und ein Notebook gestohlen.

Nach dem Einbruch in die Wohnung verschaffte sich der Dieb damit auch noch Zugang zum Facebook-Account seines Opfers. Dort verhöhnte der Einbrecher die Frau. Zum Beispiel mit abschätzigen Bemerkungen über ihren Fernseher, der nach seiner Meinung “zum Klauen zu schade” war.

Nicht nur bestohlen worden zu sein, sondern auch noch vor allen Freunden verhöhnt zu werden, empfand das Opfer denn auch als “doppelt schmerzhaft”.

Schlüsselqualifikation

Dienstag, 30. Juni 2009

Der Hilferuf klang dringlich: “Schatz, unser Auto springt mal wieder nicht an”, hörte ich meine liebe Ehefrau am Telefon sagen. Es war nicht der erste Anruf in den letzten Wochen, der mich zu einer Panne an unserem so langsam in die Jahre kommenden Familienkombi rief.

Meine Hilfseinsätze nach diesen Anrufen verliefen immer gleich. Ich setzte mich hinter’s Steuer, steckte meinen Schlüssel ein, startete - und das Auto lief anstandslos. Kurz zuvor, so versicherte mir meine Frau glaubhaft, war der Motor bei ihr dagegen sofort wieder abgestorben.

Guten Rat wissen bei solchen Problemen Vertragswerkstätten, doch der ist in der Regel teuer. Weil die Startprobleme nur selten und nach einem nicht erklärbaren Muster auftraten, wollten wir vor einem Werkstattbesuch noch etwas zuwarten.

Und wir taten gut daran, denn das Problem sollte sich von selbst lösen. Als ich nach dem letzten Hilferuf meiner Frau zu unserem Auto kam, lief die Maschinen anstandslos und ich hörte eine fast unglaubliche Erklärung. Meine Frau hat neben dem Schlüssel für unser Familienauto auch noch einen für den vor kurzem mit Hilfe der Abwrackprämie  erstandenen Zweitwagen am Bund. Die Autos gehören nicht zur selben Marke, stammen aber aus dem selben Konzern. Die Schlüssel haben deshalb eine gewisse äußere Ähnlichkeit, meine Frau meint sogar sie sähen genau gleich aus. Das meint Sie vor allem, seit klar ist dass sie die beiden verwechselt hat und versuchte mit einem VW-Golf-Schlüssel einen Audi zu starten.

Ich will diese Verwechslung nicht kommentieren, aber doch meiner Verwunderung über den Stand der modernen Schlüsseltechnik Ausdruck verleihen. Denn der Schlüssel passte, ließ sich drehen und der Motor startete. Erst die Wegfahrsperre, so weiss ich inzwischen, stoppte die Maschine wieder. Wie lange meine Werkstatt wohl gebraucht hätte, um diesen Fehler zu finden…

Lügen haben kleine Sterne

Montag, 26. Januar 2009

Stellen Sie sich vor, ein Restaurantbesitzer würde sein günstiges “All you can eat”-Angebot durch einen klein gedruckten Hinweis auf der Speisekarte ergänzen, in dem steht, dass ab dem dritten Teller, Speisen nur noch auf Minitellerchen mit maximal 10 cm Durchmesser geladen werden dürfen. Oder mal angenommen, ein Autohändler würde seine günstigen Finanzierungsangebote durch die hinter numerierten Sternchen versteckte Information ergänzen, dass ab dem vierten Vertragsmonat deutlich höhere Monatsraten fällig werden.

Der Restaurantbesitzer wie der Autohändler hätten binnen kürzester Zeit eine Abmahnung im Haus. Auf den Weg gebracht von einem Konkurrenten oder einem Verbraucherschutzverein. Nie und nimmer würden solche offensichtlichen Wettbewerbsverstöße in der analogen Welt der Gastronomie und des Gebrauchtwagenhandels durchgehen.

In der digitalen Welt sind solche klein gedruckten Schummeleien dagegen selbstverständlich geworden. Mobilfunkbetreiber werben mit Flatrates, die eigentlich gar keine sind. Vermieter von Webservern stellen günstige Preise in Zeitschriftenanzeigen groß heraus. Am  klein gedruckten Ende der Annonce erfährt der Interessent dann, dass der Sparpreis nur drei Monate gilt und es danach deutlich teurer wird.

Woran liegt es, dass in einigen Bereichen der Wirtschaft bei Wettbewerbsverstößen mit kurzer Elle gemessen wird, und in anderen Wildwest-Sitten herrschen? An der Tatsache, dass es Geschäfte im Onlinebusiness sind, kann es allein nicht liegen. Denn Abmahnungen gegen private Websitebetreiber und kleine Onlineverkäufer gibt es ja zuhauf. Zum Schutz des Wettbewerbs und der Verbraucher. Ich vermute, Handyverkäufer und Webspacevermieter werden von den Wettbewerbshütern nicht mehr richtig beobachtet, weil eh Hopfen und Malz verloren ist. So wie im Teppichhandel, wo ein Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe schon mal ein paar Jahre dauern kann. Auch hier gilt: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert…

Es war einmal in Amerika…

Mittwoch, 28. Mai 2008

Es war morgens um kurz vor 9 Uhr auf der Interstate 75 zwischen St. Petersburg und Fort Myers. Im Autoradio lief mein Lieblings-Urlaubssender “WSJT - Smooth Jazz”, als mitten in Florida eine wohlbekannte Stimme aus dem Lautsprecher ertönte und in Englisch mit breitem schwäbischen Akzent sagte: “Seitenbacher Müsli - Müsli from Seitenbacher. See your local natural food-store”.

Wer nur einmal in seinem Leben einen Radio-Werbespot von Seitenbacher gehört hat, wird die Heiterkeit, die dieser Satz in unserem Mietwagen auslöste, gut nachvollziehen können. Seitenbacher, das ist die Müslifirma, bei der wo der Chef die Radiospots selbst spricht und damit die wo zuhören richtig nervt.

Das tut der badische Müllermeister mit dem schwäbischen Akzent nun auch in Amerika. Wer’s nicht glaubt, kann sich die für den amerikanischen Müslimarkt produzierten Spots auf seitenbacher.com einmal selbst anhören. Seitenbacher Müsli auf Englisch - ich meine: It’s a must!

Willi Pfannenschwarz, so heisst der Seitenbacher-Chef, spricht übrigens seine Spots nicht nur selbst, er produziert sie auch - einschließlich dazu gehörender Musik - im eigenen Tonstudio. Nun legt seine Herkunft aus dem schwäbischen Städtchen Waldenbuch nahe, dass der Müsliman professionell gesprochene und produzierte Spots zu teuer sind. Der Seitenbacher-Chef selbst liefert eine andere Erklärung. Als vor vielen Jahren die ersten Müsli-Spots mit einem Profisprecher aufgenommen wurden, missfiel dem Firmenchef das Ergebnis. Es klang ihm zu glatt und zu wenig authentisch. Seitdem spricht und produziert bei Seitenbacher der Chef selbst. In Germany und bald worldwide.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist der Seitenbacher-Sprung über den großen Teich im übrigen sehr zu begrüßen. Mit der Verbreitung von Müsli ist es in den USA nach meiner Beobachtung noch nicht so weit her. Da gibt es noch viel Luft nach oben. So gesehen kann man sich nur wünschen, dass möglichst viele sich den Rat des Seitenbacher-Chefs zu Herzen nehmen: “Whole grains are very, very healthy…see your local natural food store.”

Nie mehr in der Warteschlange

Freitag, 15. Februar 2008

Gleich am ersten Wochenende nach dem Kinostart einen Film zu sehen, macht Spaß. Dieses Vergnügen war bislang aber mit erheblichen Erschwernissen verbunden. Vor allem mit dem Anstehen in langen Warteschlangen an der Kinokasse, den bangen Blick immer auf den Monitor gerichtet, der die unerbittlich stetig abwärts tickende Zahl der Restplätze anzeigt.

Die bisher in den von mir besuchten Filmtheatern angebotenen Erleichterungen, sorgten nicht wirklich für mehr Komfort. Als da waren: Telefonisch oder online reservieren und Karten dann spätestens 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen - an einer Kasse mit etwas kürzerer Warteschlange. Am Nachmittag zum Kino fahren und die Karten im Vorverkauf erwerben, war für mich immer mit einigen Kilometern Autofahrt und entsprechendem zeitlichen Aufwand verbunden.

Eine neue Kinobetreiberkette, die mein Lieblingskino übernahm, sorgte für eine neues Angebot, das all meine Sorgen und Nöte in Sachen Kinobesuch löst. Ich reserviere meine Karten online, kann mir aussuchen wo ich gern sitzen mag und bezahle mit Kreditkarte. Nach erfolgreichem Buchen bekomme ich eine Nummer. Die gebe ich im Kino in einen Automaten ein. Der druckt meine Karten aus. Fertig. So mag ich’s!