Archiv für die Kategorie ‘Spam’

Spam von Guido

Sonntag, 27. September 2009

Jung- und Erstwähler erhalten in den Wochen vor einer Bundestagswahl regelmäßig Post von Parteien. Das mag man für fragwürdig halten, es ist aber legal, denn die Kommunen müssen Namen und Adressen von jungen Wahlberechtigten an Parteien herausgeben, wenn die sie haben wollen.

Guido Westerwelle und seine FDP beschränkten sich in den Tagen vor der heutigen Bundestagswahl bei der Ansprache von Jungwählern nicht auf den klassischen Brief. Die Liberalen kontaktierten die junge Zielgruppe auch über unverlangt versandte E-Mails, gemeinhin auch Spam genannt.

Versandt wurden die Mails von Guido Westerwelle unter der Adresse “fdp@news-lifestyle.de” vom Dienstleister Schober Information Group aus dem schwäbischen Ditzingen. Schober ist einer der großen Player im Direktmarketing, wie der Adressenhandel gern umschrieben wird.  Eine seriöse Firma natürlich, deshalb wird beim Mailing für Guido anders als beim gemeinem Spammer die Herkunft der verwendeten Adresse gleich genannt.

In einem mir bekannten Fall aus meinem Haushalt war die Adresse bei einer Verbraucherbefragung unter dem Deckmantel der Marktforschung generiert worden. Wenn man lange genug sucht findet man auf der Website tatsächlich den Hinweis, dass die für die Teilnahme an einer Gewinnverlosung eingegebenen Daten zu Werbezwecken weitergegeben werden dürfen.

In der Mail von Guido Westerwelle stand übrigens, die FDP wolle den Respekt für die Bürgerrechte wieder stärken. Eines der Bürgerrechte ist auch das auf informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz. Da lernt der Jungwähler am praktischen Beispiel gleich den Unterschied zwischen Worten und Taten.

Edel-Spam mit Nebenwirkungen

Freitag, 10. Juli 2009

Die Betreffzeile der Mail klang ziemlich wichtig: “Nehmen Sie endlich ab”, schrieb mir Frau Dr. Sabrina Froehlich. Sie sorgte bei mir spontan für ein  schlechtes Gewissen, weil sie mich offensichtlich telefonisch nicht erreicht hatte. Aus dem schlechten Gewissen wurde beim Lesen der Mail ganz schnell großer Ärger. Abnehmen sollte ich nämlich nicht das Telefon, sondern Gewicht.

Ich war auf eine gut getarnte Spam-Mail hereingefallen. Nach Frau Dr. Sabrina Froehlich schrieben mir auch noch Dr. Sabrina Schmitz, Dr. Petra Bohlen, Dr. Michelle Turrano und Dr. Tanja Adler, um nur einige zu nennen. Unter häufig wechselnden URLs boten sie mir alle LIDA-Schlankheitskapseln und andere chinesische Naturheilmittel an, die von der Steigerung der Potenz bis zur Brustvergrößerung so ziemlich alle denkbaren Anwendungsfälle abzudecken versprachen.

Mails wie Websites waren in fehlerfreiem Deutsch verfasst und professionell aufgemacht. Dem Interessenten wird eine “medizinische Onlineberatung” angeboten und versichert, dass der Kauf der angebotenen Medikamente erlaubt sei. Das stimmt aber nicht. Darauf hat das baden-württembergische Sozialministerium vor einigen Tagen hingewiesen.

In der Mitteilung wird auch darüber informiert, dass LIDA und andere vermeintliche Naturprodukte aus Fernost häufig unerlaubt hohe Anteile des Wirkstoffs Sibutramin enthalten. Sibutramin wirkt als Antidepressivum und kann laut der genannten Mitteilung schwere Nebenwirkungen haben.

Frau Dr. Froehlich und ihre vielen promovierten Kolleginnen scheinen übrigens in der Ukraine zu sitzen. Zumindest sind die meisten der Domains die sie bewerben, von dort lebenden Menschen registriert worden.

Geburtstags-Spam

Freitag, 05. Juni 2009

Wie immer am 4. Juni hatte ich auch 2009 an diesem Tag Geburtstag. Neben den üblichen Gratulanten aus Familie, Freundeskreis und Kollegenschaft, wünschten mir auch wieder eine ganze Reihe von mehr oder weniger Ungebetenen Glück.

Jahrelang war es nur mein Autohändler, der mich an jedem 4. Juni anrief, mir herzlich gratulierte und mich frage, ob mit meinem Wagen alles in Ordnung sei. Nun kommen von Jahr zu Jahr weitere Glückwünsche dazu, in der Regel in Mailform.

Glücksspielanbieter, Internet-Bezahldienste, Onlinebanken - alle denen ich mein Geburtsdatum übermitteln musste, wünschen Glück, und von Jahr zu Jahr zunehmend auch Gesundheit.

Ich würde lügen wenn ich behaupten würde, dass ich mich über diese automatisch generierten Wünsche freue. Genau genommen ärgere ich mich sogar ein wenig über die zusätzlichen Mails die ich in den Papierkorb schieben muss.

Ich glaube ich werde allen Gratulanten antworten, was sich ja eigentlich eh gehört. Ich werde mitteilen, dass ich künftig keine Geburtstags-Spam-Mails mehr haben will. Getreu dem Motto “Seid Sand im Getriebe dieser Welt” werde ich fordern, man möge doch künftig in Anmeldeformulare eine Abfrage einbauen, ob Glückwünsche zum Geburtstag erwünscht sind.

Gewinnspiel-Nostalgie

Montag, 02. März 2009

Von Gewinnspielen im Internet lasse ich schon seit einigen Jahren die Finger. Fast alle Preisausschreiben und Meinungsumfragen mit Gewinnmöglichkeit dienen der Adressengenerierung für Marketingfirmen. In den allermeisten Fällen sieht man  das den  Gewinnspielen auf den ersten  Blick an. Das einzige was man bei einer Teilnahme gewinnen kann, sind Anrufe aus Callcentern und jede Menge Mails.

So negativ habe ich Gewinnspiele im Internet nicht immer gesehen. In den Anfangsjahren des Internet gab es unter den Gewinnspielen echte Perlen der kurzweiligen Unterhaltung. Viele Anbieter versuchten zu Beginn der Dotcom-Zeit sich bekannt zu machen, und nutzten dafür Gewinnspiele. Einfach einen netten Preis auszuloben und Adressen abzugreifen genügte nicht. Es war Kreativität gefragt.

Ich erinnere mich an ein Gewinnspiel, das es Mitte der 90er Jahre gab. Es lief eine ganze Woche lang. Jeden Tag wurde eine Aufgabe gestellt, die mit Hilfe der Suchmaschine Lycos beantwortet werden musste. Die älteren werden sich erinnern: Google gab es damals noch gar nicht. Einmal habe ich sogar etwas wertvolles gewonnen. Einen Psion Organizer, der aus einem Gewinnspiel einer Tochterfirma des Springer-Verlags stammte. Die wollten eine E-Commerce-Plattform gründen, und mit einem Game auf sich aufmersam machen. Aus dem E-Commerce-Start wurde dann bei Springers aber nichts.

Warum schreibe ich wie Opa, der aus dem Krieg erzählt? Vor ein paar Tagen bin ich auf ein Gewinnspiel aufmerksam geworden, das bei mir nostalgische Gefühle ausgelöst hat. VW nimmt den 60. Geburtstag der Bundesrepublik zum Anlaß, Geschichten aus diesen sechs Jahrzehnten einzusammeln, in denen in Wort, Bild oder Video ein Volkswagen vorkommt. Das fand ich eine witzige Idee. Und habe mitgemacht. Schaut euch meine Geschichte doch mal an und bewertet sie, wenn sie gefällt. Oder macht mit, denn es gibt einen echten Golf zu gewinnen, und hoffentlich keine Anrufe…

Spam von “unechten Agenten”

Sonntag, 26. Oktober 2008

Ein Blick in mein Mail-Eingangsfach weckt Erinnerungen an meine lange zurückliegende kaufmännische Grundausbildung. Eine ganze Reihe einlaufender E-Mails, die umgehend in mein Spamverzeichnis wandern, stammen nämlich von “unechten Agenten”. Für diese Personengruppe ist typisch, dass sie Geschäfte in fremden Namen, aber auf eigene Rechnung macht.

Im Spamzeitalter sieht dieses Geschäftsmodell so aus, dass Abbuchungen vom Konto des Empfängers angekündigt werden. Zum Beispiel für ein Stayfriends-Abo, das dann stolze 515,49 Euro kosten soll. Nähere Informationen verspricht die Rechnung im Anhang. Wer diese zip-Datei öffnet, hat dann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Schadsoftware auf dem Rechner.

Ein fremder Name, der sich gut für solche Spam-Geschäfte auf eigene Rechnung eignet, ist auch Ebay. Der Empfänger der Spam-Mail wird dabei beschuldigt, bei einem Ebay-Verkauf den notwendigen Verbraucherschutzhinweis vergessen zu haben, was mit einer kostenpflichtigen Abmahnung geahndet werden soll. Unterschieden sind diese Mails angeblich von Günter von Gravenreuth.

Der hat zwar in Sachen Abmahnungen seinen Ruf weg, scheint aber für gefälschte Mails dieser Art momentan nicht der geeignetste Name zu sein. Günter von Gravenreuth hat laut Wikipedia im Moment nämlich vor allem damit zu tun, den Vollzug der gegen ihn vergängten Haftstrafe zu verhindern und seine Zulassung als Anwalt zu behalten.

Aber als “unechter Agent” kannm man ja nicht alles wissen…