Den englischen Merksatz “Good jokes, no names” - was frei übersetzt meint, dass man über Namen keine blöden Witze machen soll - respektiere ich normalerweise. Nachdem ich weite Teiles eines sonnigen Sommersonntags mit dem Abschließen meiner Steuererklärung verbracht habe, will ich aber mal eine Ausnahme machen. Die Software zum Übertragen von Steuerdaten von meinem PC zum Finanzamt heisst nämlich ELSTER, und dieser Name bettelt förmlich darum, dass man ihn zum Gegestand von Scherzen macht.
Für dieses Produkt den Namen eines diebischen Vogels auszuwählen, zeugt entweder von ausgeprägter Selbstironie oder besonderer Ignoranz. Wobei ich mir ersteres nach meinen Erfahrungen mit Finanzämtern nur schwer vorstellen mag.
Als frisch gebackener Erstbenutzer von ELSTER habe ich das Gefühl, dass sie mich alle Namensassoziationen bestätigend, beschummelt hat. Als langjähriger Nutzer von Steuerhilfsprogrammen habe ich bisher nämlich immer auf ELSTER verzichtet, weil nach der Onlineübertragung Formulare und Belege noch einmal mit der Post verschickt werden sollten. In diesem Jahr stellte mir ELSTER aber in Aussicht, dass ich nur eine “Übersichtsseite” samt Kopie für meine Unterlagen würde ausdrucken müssen, um als Onlinekunde in den Genuss einer schnelleren Steuerrückerstattung zu kommen.
Die Übersicht war dann aber 20 Seiten lang. Und sie sieht so aus als sei sie vor allem dazu da, dem Finanzamt das Anfertigen eines Ausdrucks für einen noch nicht mit PC ausgestatteten Sachbearbeiter zu ersparen. Nun sind die Kosten für 20 ausgedruckte Seiten nicht die Welt. Aber Kleinvieh macht halt auch Mist, vor allem wenn es ELSTERn sind.