Archiv für den Monat August 2007

Vorsicht ELSTER

Sonntag, 05. August 2007

Den englischen Merksatz “Good jokes, no names” - was frei übersetzt meint, dass man über Namen keine blöden Witze machen soll - respektiere ich normalerweise. Nachdem ich weite Teiles eines sonnigen Sommersonntags mit dem Abschließen meiner Steuererklärung verbracht habe, will ich aber mal eine Ausnahme machen. Die Software zum Übertragen von Steuerdaten von meinem PC zum Finanzamt heisst nämlich ELSTER, und dieser Name bettelt förmlich darum, dass man ihn zum Gegestand von Scherzen macht.

Für dieses Produkt den Namen eines diebischen Vogels auszuwählen, zeugt entweder von ausgeprägter Selbstironie oder besonderer Ignoranz. Wobei ich mir ersteres nach meinen Erfahrungen mit Finanzämtern nur schwer vorstellen mag.
Als frisch gebackener Erstbenutzer von ELSTER habe ich das Gefühl, dass sie mich alle Namensassoziationen bestätigend, beschummelt hat. Als langjähriger Nutzer von Steuerhilfsprogrammen habe ich bisher nämlich immer auf ELSTER verzichtet, weil nach der Onlineübertragung Formulare und Belege noch einmal mit der Post verschickt werden sollten. In diesem Jahr stellte mir ELSTER aber in Aussicht, dass ich nur eine “Übersichtsseite” samt Kopie für meine Unterlagen würde ausdrucken müssen, um als Onlinekunde in den Genuss einer schnelleren Steuerrückerstattung zu kommen.

Die Übersicht war dann aber 20 Seiten lang. Und sie sieht so aus als sei sie vor allem dazu da, dem Finanzamt das Anfertigen eines Ausdrucks für einen noch nicht mit PC ausgestatteten Sachbearbeiter zu ersparen. Nun sind die Kosten für 20 ausgedruckte Seiten nicht die Welt. Aber Kleinvieh macht halt auch Mist, vor allem wenn es ELSTERn sind.

Goldener Boden

Mittwoch, 01. August 2007

Nach dem Handel mit Waren aller Art, bei Ebay und in Onlineshops, erschließt uns der E-Commerce einen weiteren wichtigen Bereich menschlichen Daseins. Die Arbeit. Die Internetportale auf denen Arbeit ge- oder verkauft wird, haben programmatische Namen wie Jobdoo, Work5 oder My-Hammer.

Das Prinzip ist einfach. Wer sein Auto repariert, seine Wohnung gestrichen oder ein Stück Software programmiert haben möchte, stellt einen Auftrag ein und sagt welchen Preis er sich so vorstellt. Wer Autos repariert, Wohnungen streicht oder Software programmiert, sagt um welchen Preis er es meint machen zu können. Der Auftraggeber darf sich dann aussuchen welchen Bieter er gern als Auftragnehmer hätte.

Auch für die digitale Revolution gilt dabei das selbe wie für alle anderen: sie frisst ihre Kinder. Webdesigner, Programmierer und andere Helden des Internetzeitalters werden nämlich lausig entlohnt. Eine schicke Website mit Flash (”originell - keine 08/15 Teile aus dem Webbaukasten”) für 20 Euro, ein Onlineshop (”inklusive Eingabe von 1000 Artikeln”) für 50 Euro, Internettexte (”selbst verfaßt und nicht irgendwo rauskopiert”) für ein paar Cent - das sind ganz normale Preise.

Da ist es schon fast beruhigend zu sehen, dass auch auf dem digitalen Arbeitsmarkt Handwerk noch immer goldenen Boden hat. Denn wer Fliesen gelegt oder eine verstopfte Toilette repariert haben will, muss in Jobportalen tiefer in die Tasche greifen als für digitale Dienstleistungen. Wohl dem, der etwas Ordentliches gelernt hat.