Archiv für den Monat November 2007

“Sie haben Ihr Ziel erreicht”

Mittwoch, 21. November 2007

Zum Thema Navigationssysteme hatte ich seit deren Erfindung eine eindeutige Meinung, die ich auch immer laut und deutlich gesagt habe: “In meinem Auto gibt es nur ein Navi, und das bin ich.”

Mit dem Selbstbewusstsein des versierten Karten- und Fährtenlesers konnte ich über die unzähligen Pannengeschichten von Navi-Benutzern stets milde lächeln. Unerklärliche Irrfahrten durch fremde Städte blieben mir ebenso erspart, wie peinliche Fehleingaben nach dem Muster: “Ich muss nach Neckarhausen bei Horb, lande aber in Neckarhausen bei Nürtingen”.

Mit der Zahl der Autofahrer in meinem Haushalt stieg auch die der Befürworter von Navigationsgeräten in Kraftfahrzeugen an. Ein “Familien-Navi” forderten meine Kinder mit zunehmendem Nachdruck.

Nun stehe ich Wünschen nach der Neuanschaffung sinnvoller technischer Neuerungen grundsätzlich offen - meine Frau meint sogar zu offen - gegenüber. Beim Navigationsgerät stand aber meine frühe Festlegung auf eine kritische Position einem schnellen Kauf entgegen.

Die anstehende Verlängerung meines Mobilfunkvertrags bot nun die überraschende Möglichkeit ohne Gesichtsverlust den Wunsch nach einem Familien-Navi zu erfüllen. Für 129 Euro erstand ich ein handliches Gerät, das Telefon, Organizer und Navigationssystem in einem zu sein versprach.

Die Navigationsfähigkeiten des kleinen Alleskönners sind beachtlich. Er lässt sich einfach bedienen, findet meistens sicher ans Ziel und die kartographische Darstellung begeistert selbst einen verwöhnten Kartenleser wie mich. Sprechen kann es natürlich auch. Wenn seine weibliche Stimme flötet “Sie haben Ihr Ziel erreicht” hört es sich an wie ein Großes.

Eine eindeutige Meinung zu Navigationsgeräten habe ich übrigens nach wie vor und sage sie auch: ”Kinder, das Warten hat sich gelohnt”!

Ein Alptraum kehrt zurück

Samstag, 03. November 2007

Mit dem an-, um-, oder abmelden eines Autos verbinde ich traumatische Jugenderlebnisse. Der mindestens einmal pro Jahr erfolgenden Neuanschaffung eines älteren Gebrauchtwagens mit absehbar kurzer Restnutzungszeit (TÜV-Stempel), folgten regelmäßig mehrstündige Warteorgien in der abstoßend ungemütlichen Zulassungsstelle meines Landratsamtes. Gleich vier Mal hieß es anstehen und warten:

  • am Eingangsschalter (richtete sich nach der letzten Ziffer der Autonummer, bei meiner Nummer standen immer die meisten Leute)
  • an der Kasse (”haben Sie es nicht kleiner”)
  • beim Schilderprägen
  • und schließlich am Ausgabeschalter

Ein immer wiederkehrender Alptraum, der auch durch die Fortschritte der elekronischen Datenverarbeitung nur wenig von seinem Schrecken verlor.

Ich beendete ihn sofort, als regelmäßig echtes Geld auf mein Konto kam. Von da ab ließ ich Autohändler diese Drecksarbeit erledigen.

Nach vielen Jahren ohne Kontakt zur Zulassungsstelle, ließ sich nun aber eine persönliche Ummeldung eines Fahrzeugs nicht vermeiden. Ein privat gekaufter Youngtimer machte mein Erscheinen notwendig.

Die Aktion begann vielversprechend. Die Versicherung bestellte ich online. Die Versicherungsbescheinigung, die bei meinem letzten Besuch im Landratsamt noch Doppelkarte hieß, bekam ich per E-Mail. Mein Wunschkennzeichen durfte ich mir ebenfalls im Internet reservieren. Ich bekam eine PIN dafür, die in mir die Hoffnung nährte, alles würde sicher weitgehend automatisiert und ganz schnell gehen.

Doch es kam anders: Meine Zulassungstelle war überfüllt wie früher. Manches hatte sich geändert: Man durfte sich ein Wartenümmerchen ziehen und sich zum Anstellen setzen. Auch konnte an einem Kassenautomaten bar oder mit Karte bezahlen. Schneller als früher ging es aber nicht. Der Beamte am Ausgabeschalter muss meine Gedanken erraten haben. “Warum kommen eigentlich immer alle an Brückentagen”, meinte er. Was sollte ich ihm antworten. “Ich weiss es nicht, ich war schon lange nicht mehr hier…”