An Spam im E-Mail-Ordner, belästigende Anrufe von Callcentern und die Flut von Werbepost im Briefkasten habe ich mich, wie viele Leidensgenossen, gewöhnt. Da regt mich eigentlich nichts mehr auf. Ganz anders ist das bei SMS-Spam. Drei gleichlautende Kurzmitteilungen (”Für Sie wurde eine Sprachmitteilung hinterlegt, rufen Sie die 09003422424 an…Kosten 1,99 EUR/Minute”) auf mein Handy brachten mich auf die Palme. Empfangene SMS muss ich lesen, und zwar sofort nach ihrem Eintreffen, weil ich gelegentlich auf diesem Weg dringende und wichtige Informationen erhalte, für die ich sogar nachts aufstehe. Unverlangt zugesandte SMS empfinde ich deshalb als schlimme Belästigung. Ich beschloss deshalb gegen den Absender meiner drei Spam-SMS vorzugehen.
Guten Muts nutzte ich den Online-Beschwerdeservice der für die Vergabe von 0900er Nummern zuständigen Bundesnetzagentur und begehrte zu wissen, wem die Nummer, die ich anrufen sollte, denn wohl gehöre. Die Bundesnetzagentur, so hatte ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen, würde jetzt “konsequent vorgehen” gegen den Missbrauch von Nummern für bezahlte Mehrwertdienste. Die Zeiten des wilden Weitervermietens von solchen Nummern, mit dem Ziel die Verantwortlichkeiten zu verschleiern, sollten vorbei sein.
Rund zwei Wochen nach dem Absenden meiner Mail bekam ich Antwort von der Bundesnetzagentur. Inhalt: ein Aktenzeichen, das ich bei Rückfragen bitte stets angeben möge und der Hinweis darauf, dass die Ermittlungen noch etwas dauern werden, weil die Lage kompliziert sei und auch ausländische Rufnummern betroffen wären.
Dank der Informationen aus dem einschlägigen Forum von antispam.de fand ich auf den Internetseiten der Bundesnetzagentur eine Datenbank, in der sich Inhaber von 0900er-Nummern recherchieren lassen. Die in den SMS an mich angegebene Nummer gehört demnach der Firma 555555 Telecommunications Ltd. in London. Dass mir die Bundesnetzagentur das nicht direkt mitgeteilt hat, irritiert mich etwas. Genauso wie die Tatsache, dass laut einer Vielzahl von Postings bei antispam.de die Firma mit den vielen Fünfen unter wechselnden Adressen und 0900er-Nummern offenbar seit vielen Monaten dem lukrativen Spammer-Geschäft nachgeht.
Die Firma bekommt wohl gelegentlich mal eine Abmahnung und es wird ihr verboten über Telefonrechnungen abkassieren zu dürfen. Offenbar schafft sie es aber immer noch regelmäßig 0900er-Nummern für ihre “Mehrwertdienste” anmieten zu dürfen. Ehrlich gesagt hatte ich mir unter konsequentem Vorgehen gegen Rufnummernmissbrauch etwas anderes vorgestellt.
Auch wenn’s schwer fällt: Ich fürchte ich muss mich daran gewöhnen, dass auch SMS-Spam zu meinem digitalen Alltag gehört, wie Spam im E-Mail-Ordner, belästigende Anrufe von Callcentern und die Flut von Werbepost im Briefkasten…