Archiv für den Monat Mai 2008

Out of stock

Donnerstag, 29. Mai 2008

Ja ich gebe es zu. Ich hatte fest vor meinen gerade zu Ende gegangenen USA-Urlaub zu nutzen, um mir verbotswidrig für 399 US-Dollar ein Apple I-Phone zu kaufen und es unter Umgehung einer Vielzahl von Vorschriften unverzollt nach Deutschland zu schmuggeln. Alles was man zum hacken eines I-Phones braucht, hatte ich mir vorher angeeignet, nichts und niemand konnte mehr verhindern, dass ich als stolzer Besitzer eines mit einer deutschen Standard-Telefonkarte betriebenen I-Phone aus dem Urlaub heimkehren würde…

Außer Apple. Denn meine Bemühungen in den USA ein I-Phone zu erwerben blieben vergebens. Am Willen und an der Hartnäckigkeit hat es dabei nicht gefehlt. Drei Mal habe ich allein den Apple-Flagstore an der Ecke 5th Avenue/Central Park in New York besucht. Einmal bin ich dafür sogar früher aufgestanden. Weitere drei Mal suchte ich den Apple-Store in Miami Beach heim. Und bei Apple in Tampa habe ich zwei mal angerufen. Die Auskunft war immer die selbe. I-Phones waren “out of stock”.

Während in New York noch jeweils für den nächsten Tag eine neue Lieferung von I-Phones in Aussicht gestellt wurde, blieben die Auskünfte der Apple-Verkäufer in Miami Beach und Tampa immer unverbindlicher. In der Dienstleistungswüste Deutschland würde man sagen: “Kennen wir nicht, haben wir nicht, kriegen wir auch nicht mehr rein”.

Das out-of-stock Problem bei den I-Phones scheint übrigens ein weltweites zu sein. Außer bei O2 in Großbritannien und bei t-mobile in Deutschland hat nach Berichten im Internet niemand mehr trendige Apple-Handys im Lager. Im Internet finden sich auch Erklärungen für die globalen Engpässe. Apple-Chef Steve Jobs soll angeblich bei der bevorstehenenden Apple-Entwicklerkonferenz am 9. Juni in San Francisco die nächste Generation des I-Phone vorstellen. Danach soll das Teil ganz schnell weltweit in die Läden kommen. Dafür wird angeblich bereits produziert.

Das neue I-Phone soll 3G heissen und einiges mehr können als seine Vorgänger. Vor allem soll die in Europa schmerzlich vermisste UMTS-Tauglichkeit im neuen I-Phone vorhanden sein. Und billiger werden soll das Vergnügen, ein I-Phone zu besitzen, auch. Schreibt zumindest die Netzwelt.

So gesehen muss ich ich ja schon fast froh sein, dass mir in New York oder Miami Beach keiner ein veraltetes Gerät angedreht hat. Jetzt warten wir erst mal den 9. Juni ab, und dann sehen wir weiter. Eines weiss ich nämlich seit meinen zahlreichen Besuchen in Apple Stores, bei denen ich ausgiebig die ausliegenden Demo-I-Phones getestet habe, ganz sicher. Es ist ein Riesen-Gerät, das in keinem digitalen Alltag fehlen sollte.

Es war einmal in Amerika…

Mittwoch, 28. Mai 2008

Es war morgens um kurz vor 9 Uhr auf der Interstate 75 zwischen St. Petersburg und Fort Myers. Im Autoradio lief mein Lieblings-Urlaubssender “WSJT - Smooth Jazz”, als mitten in Florida eine wohlbekannte Stimme aus dem Lautsprecher ertönte und in Englisch mit breitem schwäbischen Akzent sagte: “Seitenbacher Müsli - Müsli from Seitenbacher. See your local natural food-store”.

Wer nur einmal in seinem Leben einen Radio-Werbespot von Seitenbacher gehört hat, wird die Heiterkeit, die dieser Satz in unserem Mietwagen auslöste, gut nachvollziehen können. Seitenbacher, das ist die Müslifirma, bei der wo der Chef die Radiospots selbst spricht und damit die wo zuhören richtig nervt.

Das tut der badische Müllermeister mit dem schwäbischen Akzent nun auch in Amerika. Wer’s nicht glaubt, kann sich die für den amerikanischen Müslimarkt produzierten Spots auf seitenbacher.com einmal selbst anhören. Seitenbacher Müsli auf Englisch - ich meine: It’s a must!

Willi Pfannenschwarz, so heisst der Seitenbacher-Chef, spricht übrigens seine Spots nicht nur selbst, er produziert sie auch - einschließlich dazu gehörender Musik - im eigenen Tonstudio. Nun legt seine Herkunft aus dem schwäbischen Städtchen Waldenbuch nahe, dass der Müsliman professionell gesprochene und produzierte Spots zu teuer sind. Der Seitenbacher-Chef selbst liefert eine andere Erklärung. Als vor vielen Jahren die ersten Müsli-Spots mit einem Profisprecher aufgenommen wurden, missfiel dem Firmenchef das Ergebnis. Es klang ihm zu glatt und zu wenig authentisch. Seitdem spricht und produziert bei Seitenbacher der Chef selbst. In Germany und bald worldwide.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist der Seitenbacher-Sprung über den großen Teich im übrigen sehr zu begrüßen. Mit der Verbreitung von Müsli ist es in den USA nach meiner Beobachtung noch nicht so weit her. Da gibt es noch viel Luft nach oben. So gesehen kann man sich nur wünschen, dass möglichst viele sich den Rat des Seitenbacher-Chefs zu Herzen nehmen: “Whole grains are very, very healthy…see your local natural food store.”

Völker hört die Vatertags-Signale

Donnerstag, 01. Mai 2008

Heute fielen zum ersten Mal seit 1913 der Maifeiertag und Christi Himmelfahrt auf einen Tag. Mal abgesehen davon, dass jedem arbeitenden Menschen ein Feiertag abhanden kommt, sorgt der Feiertags-Doppelpack für gewisse Störungen in eingeübten Abläufen. Zumindest ist das  bei mir so. Als gewohnheitsmäßigem 1.Maiwanderer, der an Himmelfahrt regelmäßig nur das Haus verlässt, um zu einer Vatertags-Hocketse und wieder zurück zu gelangen, begegneten mir heute Dinge, die mich schon etwas irritiert haben.

Gleich mehrfach sah ich in Wald und Flur einen mir bisher völlig unbekannten Typ von Vatertags-Leiterwagen. Der enthält nicht nur Bier und  zu seinem Verzehr benötigtes Zubehör, sondern - je nach Ausstattung - auch Kühlgeräte, Zapfanlage, Radio, MP3-Player und vor allem  voluminöse Lautsprecherboxen, die schon auf weite Entfernung Auskunft über die musikalischen Vorlieben der Wandergruppe geben.

Besondere Erwähnung verdient die Stromversorgung dieser Party-Bollerwagen. Um auch für längere Wanderungen gerüstet zu sein, werden Autobatterien in genügender Anzahl zugeladen. Das führt dann dazu, dass bei holprigen Gefällstrecken die ganze Wandergruppe kräftig zupacken muss, um den schwergewichtigen Bollerwagen heil den Berg herunter oder hinauf zu bringen. Ein Problem, das aber im Lauf des Tages zunehmend leichter zu bewältigen ist.

Vatertagswanderer waren noch nie stille Genießer. Die neuen Party-Leiterwagen eröffnen aber eine neue Lautstärken-Dimension. Siehören sich etwa so an, als nähere sich ein mit zeitgemäßem Car-Hifi-Equipment ausgestatteter Wummer-Golf. Nur nicht so schnell, dafür aber mitten im Wald.

Da bin ich doch froh, dass der 1.Mai erst im jahr 2160 wieder auf Himmelfahrt fallen soll und es bis dahin keine solche Überlagerung von Maien- und Vatertagsbräuchen mehr geben wird.