In meinem kuscheligen Wohnort hat ein neuer Postshop eröffnet. Es ist der dritte, seit die privatisierte Deutsche Post ihr ehrwürdiges Postamt geschlossen hat.
Den ersten nicht hoheitlichen Postshop betrieb eine ehemalige Postmitarbeiterin. Die wagte den Sprung in die Selbständigkeit und vertrieb neben dem Postsortiment Geschenkartikel, Tee und christliche Bücher. Dass die Selbständigkeit ein Abenteuer sein kann, bemerkte die versierte Postdienstleisterin, als nach Ablauf der Vertragslaufzeit ihr früherer Arbeitgeber nur zu für sie schlechteren Bedingungen verlängern wollte.
Der Postshop schloss, um alsbald in den etwas beengeten Räumen eines Schreibwarengeschäfts wieder zu eröffnen. Die Betreiberin hatte nach einer nur kurzen Schulung ihre liebe Mühe mit dem neuen Metier. Mit der Zeit lief der Laden dann aber richtig gut. Offenbar zu gut, denn die Post hielt schon wieder mal schlechtere Vertragsbedingungen für angemessen. Und wieder schloss ein Postshop.
Nun also der dritte Versuch. Diesmal in einer Boutique für gebrauchte Damen- und Kindermoden. Der Gebrauchtwarenhandel ist sicher ein ehrbarer Broterwerb, inwieweit er sich mit dem Postgeschäft ergänzt, sehe ich noch nicht so recht. Wobei sehen in diesem Zusammenhang sehr wörtlich gemeint ist, musste ich doch gleich am Tag nach der Eröffnung eine Büchersendung auf den Postweg bringen und somit das ganze Elend der Post im Jahr 2008 mit ansehen.
Hinter dem Postshop-Tresen standen zwei erkennbar genervte Damen- und Kindermodenboutiquenverkäuferinnen. Vor dem Tresen Kunden, ebenfalls sichtlich genervt. Die Ruhe selbst war nur ein Postmitarbeiter, der seinen neuen Kolleginnen ihr künfiges Tätigkeitsfeld näher brachte. Zum Beispiel meine Büchersendung: Abwiegen, Porto berechnen, überprüfen ob die Verpackung zu Kontrollzwecken geöffnet werden kann. “Training on the Job” nennt man das heute, früher hätte man Volkssturmausbildung gesagt. Nichts symbolisiert den Niedergang der Deutschen Post besser als die Ausbildung ihrer Repräsentanten vor Ort. Ich glaube, ich schau doch mal wie das mit “Stampit”, der elektronischen Briefmarke für zuhause funktioniert.