Archiv für den Monat August 2008

Virale Desinformation oder Propaganda 2.0

Sonntag, 17. August 2008

Im Spam-Ordner meiner E-Mail-Box fand ich heute morgen 13 gleichlautende Mails von 13 verschiedenen Absendern. Im Betreff stand bei allen: “Wahrheit über Georgienkonflikt”.  Menschen aus aller Welt wiesen mich in grammatikalisch fehlerfreiem Deutsch auf eine Verschwörung hin. Die deutschen Medien, so die Botschaft, würden die Wahrheit über den Konflikt in Georgien unterdrücken. Und die Wahrheit sei, dass 2000 Menschen in Südossetien durch georgische Angriffe ums Leben  gekommen seien.

Als Kronzeugin für diese Sicht präsentierten die Autoren dieser Spam-Mails ein 12 Jahre altes  amerikanisches Mädchen namens Amanda. Das berichtete in einer Nachrichtensendung des US-Senders Fox von einem Besuch bei Verwandten in Südossetien und dem in dieser Zeit erfolgendem Angriff der georgischen Armee. Ganz wichtig war es der kleinen Amanda dabei, sich ausdrücklich bei der russischen Armee für die Hilfe zu bedanken.

Der Clip von Fox-News (korrekterweise sollte man wohl sagen, der Clip der aussieht wie ein Ausschnitt auf Fox-News) ist auf Youtube zu finden. Netterweise wurde der Link darauf in denSpam- Mails gleich mitgeschickt, ergänzt um die Information, dass Youtube den Zähler für die Abrufzahlen dieses Clips manipuliert habe, um das Video nicht populär werden zu lassen.

Diesen Vowurf sollten die Verbreiter dieser Botschaft noch einmal überdenken. Als ich das Video mit der kleinen Amanda ansah, war es bereits über 700 000 mal abgerufen worden. Es scheint, ich bin nicht der einzige, der die Mail zur Wahrheit über Georgien erhalten hat.

Was sagt mir das? Ich weiss nicht, ob es die kleine Amanda tatsächlich gibt, ob Ihre Geschichte stimmt, ob es ihren Auftritt bei Fox tatsächlich gegeben hat. Ich weiss nur, dass es Leute gibt die mich glauben lassen wollen, dass die Geschichte des 12-jährigen Mädchens stimmt und die dafür einen erheblichen Aufwand treiben. Ich finde, da darf man schon einen Anfangsverdacht auf virale Desinformation und Propaganda 2.0 haben. Oder?

E-Mail-Adresse verzweifelt gesucht

Montag, 11. August 2008

Ein Bekannter hat mich auf eine Internetseite aufmerksam gemacht. Ein Blog mit Namen akkaly, gelistet bei Blogger.com, was ja immerhin eine Tochter des prosperierenden Unternehmens Google ist.

Um den Inhalt dieser Seite zu beschreiben reichen Vokabeln wie unterirdisch oder geschmacklos bei weitem nicht aus. Die Inhalte sind beleidigend in der Form, rassistisch im Inhalt. Eine der Seiten, die Blogs den Ruf eingebracht haben, sie seien die Klowände des Internet.

Wer den etwas wirren Angaben im Internet nachgeht kommt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu dem Schluss, dass es sich beim Blogger Akkaly um einen armen Irren handeln könnte Dennoch ist es für mich keine Frage, dass eine solche Seite aus dem Netz gehört.

Die Nutzungsbedingungen von Blogger.com sind an der Stelle auch für Nicht-Juristen verständlich formuliert. Diskriminierende und noch einige andere Inhalte sind untersagt. Der “Blog melden”-Button ist auf den Seiten schnell gefunden, der Hinweis auf den unsäglichen Blog von akkaly gepostet.

Das war es dann aber auch. Akkaly tummelt sich weiter bei Blogger.com, wenn auch mit einer abschreckenden Vorschaltseite, auf der steht: “Einige Leser könnten den Inhalt dieses Blogs fragwürdig finden. Im Allgemeinen überprüft Google weder Blog-Inhalte, noch heißen wir die Inhalte dieses oder anderer Blogs gut.”

Mein Versuch in die zweite Instanz zu gehen, und die Betreiber der Blogger-Plattform auf die bedenklichen Inhalte hinzuweisen, blieb im Versuchsstadium stecken. Denn ich fand keine Mailadresse, kein Mailformular und auch keine Telefonnummer. Blogger.com, die Perle der Blogosphäre, eine Tochter von Google nicht erreichbar? Ich mag es eigentlich noch immer nicht glauben. Habe ich etwas übersehen? Wenn ja, lass es mich einer wissen.

Schmutzige Links

Montag, 11. August 2008

Hyperlinks sind ein wichtiger Bestandteil des Internet. Ohne die Möglichkeit Text und Bild zu verlinken, gäbe es das Internet wie wir es kennen nicht. Ich habe auf diesen Umstand bereits an anderer Stelle hingewiesen.

In den vergangenen Monaten beobachte ich immer häufiger, dass aus diesem Tafelsilber des Internet ein schmutziges Geschäft gemacht wird. Der Onlinemarketing-Anbieter Vibrant, setzt Textlinks nicht auf weiter führende Inhalte, sondern auf Werbebotschaften, die in kleinen Popups erscheinen. Und das nicht erst beim Klick auf den vermeintlichen Hyperlink, sondern bereits beim Überfahren der Textstelle. Eine Site die mit den Scheinlinks arbeitet, ist zum Beispiel die internetworld.

Ich finde diese neue Werbeform unsäglich. User werden da nach meinem Empfinden für dumm verkauft, wenn sie was über Wein lesen und dann aber Informationen zu Wasser bekommen. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass sich so etwas durchsetzt.

Ich meide Vibrant verunreinigte Seiten nach Möglichkeit. Ohne Wirkung bleibt die neue Marketingform aber auch bei mir nicht. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mich vor allem auf neu entdeckten Websites nur sehr vorsichtig an Links annähere. Sie könnten ja schmutzig sein…