Archiv für den Monat September 2008

Armes Deutschland - Teil 2

Samstag, 20. September 2008

Die Website “Initiative-Deutschland.net”, auf der die Firma Planet49  versucht  ihren Adressbestand  auszubauen, hat mich inspiriert nach weiteren Initiativen  für Deutschland Ausschau zu halten. Und ich bin fündig geworden.

Und das ein paar Schubladen tiefer, bei der “Initiative-Deutschland.com”. Hier zeigen deutsche Amateure ihren Volksgenossen wo der Hammer hängt. Auch unter der Gürtellinie ist schließlich Initiative für’s Vaterland gefragt. “Für Deutschland” tritt die Site nach eigener Einschätzung ein, sie sei aber “trotzdem nicht rechtsradikal”. Und Porno bietet man auch nicht an, sondern Satire.

Klingt glaubwürdig, denn der Verantwortliche für die “Initiative-Deutschland.com” ist schließlich Ausländer. Ein gewisser Billy Wong aus Peking in China, wo es ja keine Rechtsradikalen gibt und auch keine Pornographie. Dafür aber Zensur, weshalb “Initiative-Deutschland.com” automatisch auf “zensiert.to” weiterleitet. Diese Domain gehört auch Herrn Wong. Das .to darin steht übrigens für Tonga, die Inselgruppe in der Südsee mit der größten Dichte an Internet-Schmuddelseiten, die dort aber keiner sehen kann weil nur der  König Touvou einen Internetanschluss haben soll.

Zurück nach Deutschland und seinen Initiativen. Die “Initiative-Deutschland.de” gibt es auch noch. Sie wird momentan aber offenbar nicht mehr gebraucht, denn der in Kuala Lumpur wohnende Besitzer der Domain will sie gerade bei einem Domainhändler verkaufen. Auch sonst ist im Netz noch genügend Raum für Initiativen für Deutschland. Die Domains mit den Endungen .eu, .mobi und .org sind noch zu haben.

Armes Deutschland

Freitag, 19. September 2008

Die “Initiative-Deutschland.net” wirbt derzeit mit Bannern auf gut besuchten Portalen um Teilnehmer für eine Meinungsumfrage. Ein Klick auf die schwarz-rot-golden umrahmte Anzeige bringt den User auf ein staatstragend daher kommendes Webformular. “Offizielle Umfrage” steht drüber. Ein ernst aus der Seite schauender älterer Herr mit der unleserlichen Unterschrift eines deutschen Hausarztes wirbt um Anworten auf die “Zukunftsfragen unseres Landes”.

Angela Merkel, Frank-Walter Steinmaier oder keiner von beiden sind die vorgegebenen Antworten auf die Zukunftsfrage. Unter allen Teilnehmern soll ein A5 ausgelost werden. Deshalb muss man auch seinen Namen und seine E-Mailadresse angeben. Ein Blick auf die Adresszeile des Browsers verrät, dass hinter der “Initiative-Deutschland.net” die Firma Planet49 steckt, nach eigenen Angaben einer der führenden Adressgenerierer im Netz für Databased Marketing. Ich finde das ist eine harmlos klingende Umschreibung von Spam.

Ob Spammer oder Adressengenerierer -  auf jeden Fall eine Firma die in der Wahl ihrer Mittel wenig wählerisch ist, wenn es darum geht Nachschub für die Adress-Datenbank zu bekommen. Warum sonst sollte man unter einem hochtrabenden Namen eine Initiative samt Meinungsumfrage faken.

Über Politiker und Politik in Deutschland läßt sich viel Kritisches sagen. Aber ungefragt Lockvögel für eine zweifelhafte Initiative zur Adressgewinnung zu sein, haben sie nicht verdient.

Unfallfolgen ver-stehen

Freitag, 12. September 2008

Mein Unglück begann mit einer Baustelle. Wegen dieser Baustelle ist die Hauptstraße meines Wohnorts gesperrt. Umleitungen sind ordentlich ausgeschildert, was eine stattliche Zahl von Autofahrern aber nicht davon abhält, auf eigene Faust Wege an der Baustelle vorbei zu suchen.

So verirrte sich ein ausgewachsener Lastzug in die kleine Nebenstraße, in der ich wohne. Trotz Warnungen eines aufmerksamen Nachbarn versuchte der Trucker abzubiegen und erwischte  dabei zwei Bäume und mein fahrerlos parkendes Auto.

Das bedeutete: auf die Polizei warten, Auto begutachten lassen, Reparatur und Mietwagen organisieren und Schaden der Versicherung melden. Mein kleiner, feiner,  regionaler Versicherer ist im Netz gut aufgestellt. Dachte ich zumindest bis ich das Schadensmeldungsformular online auszufüllen versuchte.

Offenbar bin ich der erste, dem jemand in ein fahrerlos parkendes Auto gerauscht ist. Denn meine Online-Unfallmeldung bestand darauf, dass ich einen Fahrer angebe. Und zwar hartnäckig. Leere Felder bestrafte das Formular so hartnäckig mit der Drohung den Vorgang nicht fortsetzen zu können, wie den Hinweis “Auto parkte - kein Fahrer”.  Das Webformular wollte vollständig ausgefüllt sein: Name, Wohnort, Datum der Führerscheinprüfung, Drogen beteiligt ja/nein, Alkoholkontrolle ja/nein.

Stehende Autos ohne Fahrer gibt es für die Versicherung nicht, das ver-stehe wer will. Das sind die Momente in denen sich zeigt, ob man im Glauben an die Digitalisierung wirlich ausreichend gefestigt ist. Vor allem wenn man vor dem Abschicken des Formulars dann noch mal ausdrücklich versichern muss, dass alle Angaben wahrheitsgemäß gemacht wurden…

Mein digitales Haustier

Dienstag, 09. September 2008

Ein Blog ist wie ein Haustier. Man hat viel Freude dran, aber auch viel Arbeit damit. Das ist meine Erkenntnis nach einem guten Jahr bloggen.

Wie ein Tier braucht auch ein Blog eine Behausung - nicht umsonst bedeutet “Host” auch “Hausherr”. Und für Blogs wie Tiere gibt es Unterbringungsmöglichkeiten von der Stange, aber auch aufwendig hergestellte Einzellösungen.

Auch bei der Pflege sehe ich eine Reihe von Gemeinsamkeiten: Haustiere wie Blogs brauchen regelmäßige Zuwendung, damit sie gut aussehen. Dazu gehört auch eine medizinische Betreuung, sie könnten sich ja mit einem Virus identifiziert haben…

Und fast die wichtigste Parallele zwischen Blogs und Haustieren: sie hinterlassen - vornehm ausgedrückt - Mist. Bei meinem Haustier, einer älteren Katzendame namens Wilma, muss ich mich um die Entsorgung dabei nicht groß kümmern, bei meinem Blog dagegen alles selbst in die Hand nehmen.

Über zu bearbeitenden Kommentarspam habe ich schon an anderer Stelle geschrieben, nun beschäftigen mich fast täglich neue Benutzer, die sich anmelden, um dann Kommentare abgeben zu dürfen. Ich will keine Vorurteile schüren, aber es handelt sich ganz überwiegend um Einträge aus dem russischen Sprachraum, die ich da regelmäßig zu entsorgen habe.

Wie gesagt, ein Blog ist wie ein Haustier. Und deshalb gilt: Kleinvieh macht auch Mist.