Archiv für den Monat November 2008

DSL - Dieser Service Lahmt

Samstag, 15. November 2008

In dieser Woche haben die deutschen Verbraucherzentralen den DSL-Anbietern mal wieder die Leviten gelesen. Bei einer Onlineumfrage mit 15 000 Teilnehmern bestätigten die Verbraucherschützer alle Vorurteile, die man gegen diese Branche haben kann.

  • Der Kundendienst ist lausig - zwei Drittel der Befragten gaben an, mit dem Service nicht zufrieden zu sein.
  • Die Hotlines sind schwer erreichbar - sagten über 60 Prozent der Teilnehmer, die schon mal in einer Warteschleife festhingen.
  • Wenn man mal jemanden am Telefon hat, muss man sein Problem jedesmal von neuem schildern - kritisierte mehr als die Hälfte der Hotline-Erfahrenen.
  • Einen Anschluss schnell geschaltet zu bekommen ist Glücksache - knapp die Hälfte wartete bei einem Anbieterwechsel mindestens einen Monat.
  • Die Anschlüsse sind langsamer als verspochen - fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer bekommen nicht die Bandbreite, für die sie eigentlich bezahlen.

Passend zu dieser Umfrage kam bei mir im Büro eine Kollegin aus einem 14-tägigen Umzugsurlaub zurück. Die hatte ein gut Teil ihrer freien Zeit damit verbracht, rechtzeitig zum Bezug des schmucken Eigenheims auch Telefon und DSL im Haus zu haben. Durch ihre Erzählungen bekamen die Zahlen der Verbraucherzentrale ein Gesicht.

Der langfristig vereinbarte Termin für die Installation der Telefonleitung platzte - der Monteur kam einfach nicht. Bei der Vereinbarung eines neuen Termins gibt es ein Problem: die Auftragsnummer fehlt: Die hätte der abgängige Monteur dabei haben sollen. Es beginnt eine Odyssee durch Warteschleifen und Callcenter. Immer gibt es ein Problem. Und sei es das, dass gerade das System mit den notwendigen Daten abgestürzt ist. Schließlich findet sich jemand, der sich kümmern will, seinen Namen sagt und einen Rückruf verspricht.

Doch der Rückruf kommt nicht, dafür alles noch schlimmer. Den Namen gibt es an der Stelle nämlich gar nicht, dafür die Auskunft der nächsten Hotlinemitarbeiterin: “Falscher Name? Das machen die da immer so”. Irgendwann klappt es dann doch und es gibt einen zweiten Termin. Und, hört, hört! Der Monteur kommt und montiert erfolgreich.

Na also, geht doch. Sagt übrigens auch die Umfrage der Verbraucherzentralen. Nur sechs Prozent der Befragten mussten ein halbes Jahr oder länger auf ihren Anschluss warten…

Wahlen nach Zahlen

Dienstag, 04. November 2008

Heute ist der 4. November 2008. Das heisst in den USA wird ein neuer Präsident gewählt. Jetzt, am frühen Abend mitteleuropäischer Zeit wissen wir noch nicht wer es werden wird, Obama oder McCain.

Nach dem was ich die letzten Tage gesehen, gehört und gelesen habe, wird es offenbar auch nicht so einfach werden festzustellen, welcher Kandidat die Wahl gewonnen hat. So mancher Korrespondentenbericht im Fernsehen erinnerte mich an eine Reportage aus einem Entwicklungsland. Lange Schlangen vor Wahllokalen schon Tage vor dem Wahltermin. Unsicherheit bei den Wartenden, ob sie denn ihre Stimme überhaupt werden abgeben können. Kritische Wählerstatements zur Frage, ob das Ergebnis auch korrekt ermittelt werden wird. Es fehlten nur die Interviews mit besorgten Wahlbeobachtern einer internationalen Organisation.

Wie ich gerade in der Tagesschau gesehen habe, gibt es schon wieder erste Probleme mit Wahlmaschinen und Wahlcomputern. Wäre ja nicht das erste Mal. Hoffentlich haben das auch die Richter des Bundesverfassungsgerichts gesehen, die derzeit über die Zulässigkeit von Wahlcomputern in Deutschland beraten.

Als im Glauben an die Digitalisierung gefestigter Mensch habe ich noch nie verstanden, warum wir Wahlcomputer brauchen. Um die Autorität von Wahlergebnissen ist es in Zeiten ständig sinkender Wahlbeteiligung eh nicht sonderlich gut bestellt. Da muss sich eine Gesellschaft nicht auch ohne Not dem Verdacht aussetzen, die Ergebnisse könnten manipuliert sein. Demokratische Wahlentscheidungen beziehen ihre Glaubwürdigkeit auch daraus, dass jeder Bürger im Wahllokal beim Auszählen zuschauen kann. Und das geht nun mal bei einem Computer nicht.

Es gibt Dinge, das ist analog einfach besser. Wahlen gehören dazu.