Alle paar Jahre werde ich gebeten für eine gute Sache ein Printprodukt zu gestalten. Meist soll es ein Folder sein, gelegentlich ein Plakat. Wie ich bei der Suche nach früheren Entwürfen festgestellt habe kann ich inzwischen auf ziemlich genau 25 Jahre Drucksachenerfahrung zurückblicken.
In diesem Vierteljahrhundert ist im Printbereich eine Menge passiert. Die Überschriften meines ersten Faltblatts rubbelte ich mit Letraset auf Papier. Jedes Wort und jede Zeile war ein Unikat. Längere Fließtexte wurden mit einer “Composer” genannten IBM-Kugelkopfschreibmaschine geschrieben. Damit waren durch den Wechsel des Kopfes unterschiedliche Schriften und vor allem Blocksatz zu einem erschwinglichen Preis möglich. Fotos mussten vom Reprofotografen gerastert werden, um sie druckbar zu machen. Selbst schwarz-weiss war sündhaft teuer, mehr als ein Foto pro Folder deshalb selten drin.
Einen großen Schritt nach vorn brachte mich mein erster Computer, ein Atari 1040 ST. Für den gab es ein Desktop-Publishing-Programm, das wie alles damals auf einer Diskette Platz hatte. Mit diesem Programm konnten Texte und Überschriften erfasst und formatiert werden. Wahre Wunder vollbrachte die Softtware beim Ausdrucken. Aus den damals üblichen 9-Nadel-Druckern holte sie eine Qualität heraus, die an unerreichbar teure Laserausdrucke herankam.
Irgendwann in der 1990er-Jahren war es auch mit dem PC möglich komplette Drucksachen zu erstellen. Nur die Fotos mussten immer noch zum Reprofotografen und dann vor dem Druck in die Vorlage hineingeklebt werden. Mit der Erfindung und Verbesserung der Digitalkamera bekam der ambitionierte Consumer dann die Möglichkeit einigermaßen ordentliche Bilder am Rechner mit einzubauen.
Das Ergebnis seiner Bemühungen brachte man von da ab als selbstgebrannte CD in die Druckerei. Leider sah das auf 80 Gramm-Papier gedruckte Endprodukt nicht immer so aus, wie der Designer sich das vorgestellt hatte. So manches Datenformat hatte so seine Kompatibiltätsprobleme, wenn es auf einem fremden Rechner eingelesen wurde.
Adobe sei Dank gibt es inzwischen PDF. Und die revolutionären Fortschritte in der Druckvorstufe lassen Vierfarb-Drucke für nicht-kommerzielle Zwecke erschwinglich werden. Druckereien aquirieren im Internet bundes- oder sogar europaweit Kunden und bieten schier unglaublich günstige Konditionen. “Web to print” heisst das Geschäftsmodell, bei dem der gesamte Workflow über ein Onlineportal abgewickelt wird.
Verlierer dieser weiteren digitalen Revolution sind viele kleine Druckereien vor Ort. Sie können sich die notwendigen Investitionen oft nicht leisten und müssen schließen. Ich bin gespannt was ich als Gelegenheitsdesigner in den nächsten Jahren noch alles erleben werde.