Archiv für den Monat Juli 2009

Post erfindet E-Mail neu

Freitag, 31. Juli 2009

Die Deutsche Post hat ein neues Produkt angekündigt. Der “Brief im Internet” soll die Rückgänge im klassischen Briefgeschäft ausgleichen. Wenige Tage vor dem 25. Geburtstag der E-Mail möchte man sagen: “Herzlichen Glückwunsch, Ihr habt die Zeichen der Zeit erkannt.” Brief im Internet ist sicher die Anwendung, auf die alle gewartet haben.

Hoffentlich hat die Deutsche Post bei diesem Versuch einen längeren Atem als bei ihrem ersten Ausflug ins E-Mail-Geschäft. Mit dem schönen Claim “Sichern Sie sich Ihre Mailadresse für’s Leben” hatte die Post um im Jahr 2000 für ihr Vorhaben epost.de geworben. Das Angebot umfasste einen Freemail-Account mit Weboberfläche sowie etwas Speicherplatz und die Möglichkeit kostenpflichtig Zusatzfeatures zu buchen.

Die Mailadresse für’s Leben hielt dann allerdings nicht sehr lang. Im Frühjahr 2005 stelle epost.de seinen Freemaildienst ein und transferierte die verbliebenen Kunden zu lycos.de, einem Mailangebot, das es inzwischen auch schon nicht mehr gibt.

Alles was jetzt “Brief im Internet” leisten soll, zum Beispiel den rechtssicheren Austausch von Dokumenten, hätte auch epost schon anbieten können. Dann würde die Deutsche Post in Sachen E-Mail jetzt nicht hinterherkommen wie die alt’ Fasnet.

Der Friedhof der 17-Zöller

Samstag, 25. Juli 2009

Heute war bei uns zuhause Aufräumtag. Mir fiel die Aufgabe zu die wiederverwertbaren Abfälle unseres Haushalts zum örtlichen Wertstoffhof zu bringen. Mit dabei auch einiges an Elektroschrott. Ein VHS-Videorekorder, zwei Radios und ein 17-Zoll-Röhrenmonitor, der durch einen Flachbildschirm ersetzt worden war.

Um den tat es mir eigentlich leid, denn er funktionierte einwandfrei und hatte in einer Zeit als 14-Zöller Standard waren und noch mit DM bezahlt wurde, mal richtig Geld gekostet. Aber er wird nun mal nicht mehr gebraucht und selbst geschenkt wollte ihn niemand mehr haben.
Als ich das gute Stück in den großen Stahlcontainer trug, in dem auf unserem Wertstoffhof der Elektroschrott gesammelt wird, sah ich, dass er dort in guter Gesellschaft war. Gleich im Dutzend standen dort noch durchaus ansehnliche Röhrenmonitore. Dazu viele großformatige Röhrenfernseher, teilweise schon im 16:9 Format.

Nun will ich mal unterstellen, dass all die einstmals teuren Geräte ordentlich entsorgt werden und die enthaltenen Rohstoffe wieder verwertet werden. Ein gutes Gefühl hatte ich dennoch nicht, als ich diesen Friedhof der 17-Zöller verließ.

Microsoft weiss was gut für mich ist

Sonntag, 12. Juli 2009

Mein Vista hat mir eine Reihe von Updates vorgeschlagen. Unter anderem sollte auch der Internet Explorer auf Version 8 upgedatet werden. Das Update dauerte ganz schön lang und hielt mich fast eine Stunde davon ab etwas sinnvolles mit meinem PC anzustellen. Viel schlimmer aber: nach dem Update war nicht mehr alles so wie ich es haben wollte.

Beim Start meines Firefox-Browsers rief der völlig überraschend eine go.microsoft-Seite auf. Beim Betriebssystem-Update hatte Microsoft meine Startseite überschrieben. Wie meine Nachforschungen ergaben, lag das am neuen Internet-Expolorer. Der ist nämlich ab Werk so konfiguriert, dass er seine Einstellungen auf andere Browser überträgt, wenn der IE nicht der Standardbrowser ist. Microsoft weiss halt, was der User wirklich sehen will.

So was mag ich gar nicht. Und so lange Microsoft mit solchen Formen der bevormundung arbeitet, braucht sich der Software-Marktführer aus Redmond nicht wundern, dass sein Tun nach wie vor mit viel Misstrauen beobachtet wird.

Edel-Spam mit Nebenwirkungen

Freitag, 10. Juli 2009

Die Betreffzeile der Mail klang ziemlich wichtig: “Nehmen Sie endlich ab”, schrieb mir Frau Dr. Sabrina Froehlich. Sie sorgte bei mir spontan für ein  schlechtes Gewissen, weil sie mich offensichtlich telefonisch nicht erreicht hatte. Aus dem schlechten Gewissen wurde beim Lesen der Mail ganz schnell großer Ärger. Abnehmen sollte ich nämlich nicht das Telefon, sondern Gewicht.

Ich war auf eine gut getarnte Spam-Mail hereingefallen. Nach Frau Dr. Sabrina Froehlich schrieben mir auch noch Dr. Sabrina Schmitz, Dr. Petra Bohlen, Dr. Michelle Turrano und Dr. Tanja Adler, um nur einige zu nennen. Unter häufig wechselnden URLs boten sie mir alle LIDA-Schlankheitskapseln und andere chinesische Naturheilmittel an, die von der Steigerung der Potenz bis zur Brustvergrößerung so ziemlich alle denkbaren Anwendungsfälle abzudecken versprachen.

Mails wie Websites waren in fehlerfreiem Deutsch verfasst und professionell aufgemacht. Dem Interessenten wird eine “medizinische Onlineberatung” angeboten und versichert, dass der Kauf der angebotenen Medikamente erlaubt sei. Das stimmt aber nicht. Darauf hat das baden-württembergische Sozialministerium vor einigen Tagen hingewiesen.

In der Mitteilung wird auch darüber informiert, dass LIDA und andere vermeintliche Naturprodukte aus Fernost häufig unerlaubt hohe Anteile des Wirkstoffs Sibutramin enthalten. Sibutramin wirkt als Antidepressivum und kann laut der genannten Mitteilung schwere Nebenwirkungen haben.

Frau Dr. Froehlich und ihre vielen promovierten Kolleginnen scheinen übrigens in der Ukraine zu sitzen. Zumindest sind die meisten der Domains die sie bewerben, von dort lebenden Menschen registriert worden.